PTBS-Screening bei Flüchtlingen

BÜRGERSCHAFT

DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG     Drucksache 21/7412

21. Wahlperiode     04.01.17

 

Antrag

der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg, Jennyfer Dutschke, Katja Suding, Anna-Elisabeth von Treuenfels-Frowein, Michael Kruse (FDP) und Fraktion

    Betr.:     PTBS-Screening bei Flüchtlingen

Viele Flüchtlinge haben in ihren Herkunftsländern und auf der Flucht viele traumatische Erlebnisse gehabt. Viele von Ihnen dürften deshalb unter einer psychischen Erkrankung leiden. So wurde in einer Studie von Ulrike Gäbel in Kooperation mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bei 40 Prozent von zufällig ausgewählten Asylantragstellern eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) festgestellt.

Oft ist diese Erkrankung, wie bei deutschen Patienten, nicht ohne weiteres erkennbar.

Wird sie nicht behandelt, drohen eine Verschlimmerung und sinnlose somatische Behandlungen. Die Leistungsfähigkeit in wichtigen Lebensbereichen ist bei Betroffenen eingeschränkt, die Bewältigung des Alltags wird für viele zur Qual.

Der Verlauf körperlicher Erkrankungen kann durch eine PTBS negativ beeinflusst werden. Das Risiko für Suchterkrankungen, Depressionen (Major Depression) und andere psychische Erkrankungen steigen bei einer PTBS stark an.

Damit den Betroffenen einerseits schnellstmöglich Hilfe zuteilwerden kann und sie andererseits nicht mit einer unnötigen und kostenträchtigen somatischen Behandlung malträtiert werden, sollte jedem Flüchtling zumindest ein einfaches psychologisches Screening angeboten werden. Leider lehnt der Senat dies bisher ab und riskiert damit unnötiges Leid von Betroffenen. Im Ergebnis werden diese Screenings die Stadt kein Geld kosten, da sie, abgesehen vom menschlichen Leid, auch Kosten für sinnlose somatische Behandlungen sparen.

Nach Auskunft des Senats, gibt es unterschiedliche Checklisten und Fragebögen zur Erfassung traumatischer Lebensereignisse, welche mit unterschiedlichem Erhebungsaufwand verbunden sind. Bereits während der ersten Gesundheitsuntersuchung neu ankommender Flüchtlinge wäre ein einfaches PTBS-Screening mit geringem Mehraufwand möglich.

Die Bürgerschaft möge daher beschließen:

Der Senat wird aufgefordert,

  1. umgehend dafür zu sorgen, dass allen neu ankommenden Flüchtlinge schnell ein psychologisches Screening angeboten wird, sofern dies nicht anderweitig bereits erfolgt ist.
  2. der Bürgerschaft bis zum 31. März 2017 zu berichten.