Naturfriedhöfe in Hamburg ermöglichen

BÜRGERSCHAFT

DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG     Drucksache 21/314

21. Wahlperiode     22.04.15

 

Antrag

der Abgeordneten Dr. Kurt Duwe, Katja Suding, Anna-Elisabeth von Treuenfels, Michael Kruse, Dr. Wieland Schinnenburg (FDP) und Fraktion

    Betr.:     Naturfriedhöfe in Hamburg ermöglichen

In einer freien Gesellschaft sollten die Menschen selbst entscheiden können, wie ihre Bestattung aussehen soll. Der Wunsch nach alternativen Bestattungsformen wächst kontinuierlich und eine immer größere Rolle spielen dabei auch die Naturfriedhöfe.

Bei dieser Art der Bestattung, die im Rest von Deutschland bereits sehr verbreitet ist, werden die Menschen unabhängig von allen religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen in der Natur beerdigt. Nach der Einäscherung wird die Urne, fest verschlossen und, biologisch abbaubar, in ausreichender Tiefe und in ausreichendem Abstand im Wurzelwerk eines Baumes in einem besonders ausgewiesenen Waldgebiet bestattet. Häufig werden kleine Namensplaketten des Beerdigten an dem jeweiligen Baum angebracht; ansonsten bleibt der Wald unberührt, zum Beispiel Kreuze werden nicht aufgestellt.

Die §§ 21 und 24 Hamburgisches Bestattungsgesetz sind aktuell formal an der Struktur der „klassischen“ Friedhöfe orientiert. Die letzte Ruhestätte sollte sich aber an den Wünschen der Verstorbenen und den Bedürfnissen der Verbliebenen orientieren. Auch das Verwaltungsgericht Weimar erkannte in einem Urteil aus dem Februar 2014 das öffentliche Bedürfnis nach einem Naturfriedhof als neue Bestattungsform an. Die Tatsache, dass bereits einige Friedhöfe bestehen, spricht danach nicht gegen die Einrichtung eines Bestattungswaldes, da es um die Ermöglichung einer neuen Bestattungsform geht. Das Verwaltungsgericht sieht weiterhin auch ohne Einfriedung keine Gefahr für die Totenruhe.

Diese Naturfriedhöfe sollen keine Konkurrenz zu den bisherigen Friedhöfen, sondern eine Ergänzung darstellen.

Bisher ist die Einrichtung von Friedhöfen in der Freien und Hansestadt Hamburg nur von staatlicher Seite und durch Kirchen möglich. Als flankierendes Angebot sollte jedoch auch der Betrieb durch Private ermöglicht werden. Dadurch würden flexiblere Angebote entstehen und durch mehr Wahlmöglichkeiten könnte den Wünschen der Menschen besser entsprochen werden. Ein nachhaltiger Betrieb und der Zugang für die Öffentlichkeit müssen dabei garantiert sein.

Die Würde des Ortes und die Erinnerung an die Toten müssen in jedem Fall gewährleistet sein.

Die Bürgerschaft möge deshalb beschließen:

Der Senat wird ersucht,

  1. der Bürgerschaft den Entwurf für eine Änderung des Hamburgischen Bestattungsgesetzes vorzulegen, der eine Einrichtung von Naturfriedhöfen in Hamburg ermöglicht.
  2. geeignete Flächen zu ermitteln, zu diesem Zweck zu widmen und für die Errichtung eines Naturfriedhofs zu sorgen.

    Drucksache 21/314     Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg – 21. Wahlperiode

3) darauf hinzuwirken, dass auch Privaten die Einrichtung und der Betrieb von Friedhöfen ermöglicht wird, wenn sie die Gewähr dafür bieten, dass sie den spezifischen Anforderungen gerecht werden.

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