Nachtbetrieb U- und S-Bahnen

BÜRGERSCHAFT

DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG     Drucksache 21/4593

21. Wahlperiode     21.06.16

Große Anfrage

der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg, Katja Suding, Anna-Elisabeth von Treuenfels, Michael Kruse, Jens Meyer und Fraktion (FDP)

vom 26.05.16

und Antwort des Senats

    Betr.:     Nachtbetrieb U- und S-Bahnen

Ein attraktiver öffentlicher Personennahverkehr kennzeichnet eine moderne Metropole aus. Für viele Nutzer sind die nächtlichen Betriebspausen nicht mehr zeitgemäß. Es hat sich bereits kurz nach der Einführung des Nachtbetriebs von U- und S-Bahn an Wochenenden sowie vor Feiertagen gezeigt, dass eine Angebotsausweitung in den Nachtstunden einen deutlichen Anstieg an Fahrgästen erzeugt (vergleiche Drs. 18/7209). Dadurch konnte ein Beitrag zur Verkehrssicherheit geleistet werden und auch Mehreinnahmen waren zu verzeichnen.

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:

Durch die Einrichtung des Nachtverkehrs im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) am Wochenende ist auf ein geändertes Verhalten der Fahrgäste reagiert worden. Dabei ist es gelungen, in den nachfragestärkeren Wochenendnächten ein attraktives Angebot im Freizeitverkehr einzurichten. An den Wochenenden kann damit die zunehmende Zahl an Veranstaltungen in Hamburg besser und flexibler mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden. Dieses Potenzial ist jedoch an Wochentagen nicht gegeben.

Dies vorausgeschickt, beantwortet der Senat die Fragen auf Grundlage von Auskünften der Hamburger Hochbahn AG (HOCHBAHN), der Verkehrsbetriebe HamburgHolstein GmbH (VHH), der Deutschen Bahn AG (DB) und des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) wie folgt:

I. Busse

  1. Von wann bis wann ist derzeit Betriebspause?

Die Betriebspause der Stadt- und MetroBus-Linien liegt etwa in der Zeit zwischen 0.30 Uhr und 4.30 Uhr.

  1. Welche Linien verkehren während der Betriebspause und welche Stadtteile werden davon erschlossen?

Linie

Stadtteile

600

Altona Nord, Altona Altstadt, Eimsbüttel, Hoheluft West, Hoheluft Ost, Eppendorf, Winterhude, Barmbek Nord, Dulsberg, Wandsbek, Marienthal, Horn

601

Hamburg Altstadt, Neustadt, St. Pauli, Altona Altstadt, Altona Nord, Ottensen, Othmarschen, Groß Flottbek, Bahrenfeld, Osdorf, Iserbrook, Blankenese, Sülldorf, Rissen

Linie

Stadtteile

602

Rothenburgsort, Hammerbrook, HafenCity, Hamburg Altstadt, Neustadt, St.

Pauli, Sternschanze, Altona Altstadt, Altona Nord, Bahrenfeld, Lurup, Osdorf

603

Hamburg Altstadt, Neustadt, Rotherbaum, Eimsbüttel, Stellingen, Eidelstedt, Schnelsen

604

Hamburg Altstadt, Neustadt, Rotherbaum, Harvestehude, Hoheluft West, Hoheluft Ost, Lokstedt, Niendorf

605

Hamburg Altstadt, Neustadt, Rotherbaum, Harvestehude, Eppendorf, Groß Borstel

606

Hamburg Altstadt, St. Georg, Borgfelde, Hamm, Hohenfelde, Eilbek, Uhlenhorst, Barmbek Süd, Winterhude, Eppendorf, Alsterdorf, Fuhlsbüttel, Langenhorn

607

Altona Nord, Altona Altstadt, St. Pauli, Neustadt, Hamburg Altstadt, St. Georg, Hohenfelde, Uhlenhorst, Barmbek Süd, Barmbek Nord, Ohlsdorf,

Fuhlsbüttel, Hummelsbüttel, Poppenbüttel, Sasel, Bergstedt, Volksdorf

608

Altona Nord, Altona Altstadt, St. Pauli, Neustadt, Hamburg Altstadt, St. Georg, Hohenfelde, Eilbek, Wandsbek, Tonndorf, Rahlstedt

609

Altona Nord, Altona Altstadt, St. Pauli, Neustadt, Hamburg Altstadt, Borgfelde, Hamm, Horn, Billstedt, Lohbrügge, Bergedorf

611

Othmarschen, Waltershof, Altenwerder, Finkenwerder

617

Barmbek Nord, Steilshoop, Bramfeld, Farmsen Berne, Rahlstedt

618

Wandsbek, Marienthal, Jenfeld, Rahlstedt

619

Billstedt, Oststeinbek, Glinde

629

Bergedorf, Neuallermöhe

640

Hamburg Altstadt, Hammerbrook, Veddel, Wilhelmsburg, Neuland, Harburg

641

Harburg, Heimfeld, Hausbuch, Neugraben-Fischbek, Neu Wulmstorf

642

Harburg, Heimfeld

643

Harburg, Wilstorf, Langenbek, Sinstorf

644

Harburg, Eißendorf, Marmstorf

  1. In welcher Taktung verkehren die jeweiligen Nachtbuslinien?

Auf den NachtBus-Linien wird ein 30-Minuten-Grundtakt angeboten. Auf den Ergänzungslinien in den Außenbereichen der Stadt verkehren die Busse im Stundentakt.

  1. Wie viele Fahrgäste nutzen das Angebot des HVV zwischen Freitag- und Samstagnacht sowie Sonntag- bis Donnerstagnacht? Wann wurden diese Zahlen erhoben?

Siehe Drs. 21/3138.

  1. Für wann ist die nächste Fahrgasterhebung für die Nachtbusse vorgesehen?

Derzeit gibt es keine Überlegungen für zukünftige Fahrgasterhebungen.

  1. Wie ist das Angebot in anderen Millionenstädten (Berlin, Köln, München)?

In anderen deutschen Großstädten stellt sich das nächtliche Verkehrsangebot im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ähnlich wie in Hamburg dar. An den Werktagen erfolgt der Fahrtbetrieb mit nächtlichen Betriebspausen und an den Wochenenden mit einem durchgehenden Nachtbetrieb.

  1. Welche zusätzlichen Kosten entstehen durch den Nachtbetrieb?

HOCHBAHN

Für die in den Nächten von Sonntag auf Montag bis Donnerstag auf Freitag verkehrenden Nachtbusse der HOCHBAHN entstehen jährliche Kosten in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro.

Mit der Einführung des Nachtbetriebes am Wochenende wurde die Nachtbusleistung in den Nächten Freitag auf Sonnabend und Sonnabend auf Sonntag sowie in Nächten auf Feiertage ausgesetzt. Parallel zum durchgängigen Nachtverkehr der Schnellbahnen wurde ein ergänzendes Busliniennetz entwickelt, das sich an den Stadt- und MetroBus-Linien des Tagesangebotes orientiert. Die Strecken, die im NachtBus-Netz bedient werden, sind dabei am Wochenende durch Schnellbahnen mit Umstieg auf das Busergänzungsnetz erreichbar. Nahezu alle MetroBus-Linien auf hamburgischem Gebiet sind im Busergänzungsnetz enthalten. Darüber hinaus wurden Streckenverläufe des StadtBus-Netzes in diesen Vorschlag integriert, der an das Verkehrsangebot in der Silvesternacht mit dem durchgehenden Schnellbahnbetrieb im 20-Minuten-Takt angelehnt ist. Die Kosten für das Ergänzungsnetz belaufen sich an 112 Tagen auf circa 1,2 Millionen Euro.

In der derzeitigen Ausprägung verursacht der Nachtverkehr mit Bussen der HOCHBAHN somit jährliche Kosten von circa 2,9 Millionen Euro.

VHH

Für die in den Nächten Sonntag auf Montag bis Donnerstag auf Freitag verkehrenden NachtBusse der VHH entstehen jährliche Kosten in Höhe von circa 0,6 Millionen Euro.

Durch den in den Nächten Freitag auf Sonnabend, Sonnabend auf Sonntag und in Nächten vor Feiertagen von der VHH durchgeführten Nachtbetrieb entstehen jährliche Kosten in Höhe von 0,5 Millionen Euro.

  1. Welche zusätzlichen Einnahmen werden generiert?

Hierzu können keine Angaben gemacht werden, da der Verkauf von Fahrkarten keinen direkten Rückschluss auf zusätzliche Einnahmen zulässt.

  1. Wie hoch ist die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit der Busse in Hamburg zwischen 0 und 6 Uhr?

HOCHBAHN

Die durchschnittliche fahrplanmäßige Reisegeschwindigkeit der Busse der HOCHBAHN auf Linien mit Nachtbetrieb beträgt 23,3 km/h.

VHH

Die durchschnittliche fahrplanmäßige Reisegeschwindigkeit der Busse der VHH auf Linien mit Nachtbetrieb beträgt 26,6 km/h.

  1. Wie viele Fahrkarten werden nach 0 Uhr verkauft?

HOCHBAHN

In den ersten drei Monaten des Jahres 2016 wurden zwischen 0 und 6 Uhr 16.599 Fahrkarten verkauft.

VHH

In den ersten drei Monaten des Jahres 2016 wurden an den Verkaufsstellen der VHH zwischen 0 und 6 Uhr 9.184 Fahrkarten verkauft.

  1. Welche Prognosen hinsichtlich der Nutzerentwicklung hat der Senat für die nächtliche Nutzung der Busse bis 2020?

Die Inanspruchnahme der Nachtverkehre hängt insbesondere von Veranstaltungen im Stadtgebiet ab. Aufgrund dieser Abhängigkeit lässt sich eine Entwicklung der Fahrgastzahlen im Nachtverkehr nicht vorhersagen.

  1. Kam es seit der Einführung der Nachtbuslinien zu einer Ausweitung des Angebots?

    Wenn ja, wann und welche Linien wurden zusätzlich aufgenommen? Welche Linien sind in dieser Zeit aus welchen Gründen weggefallen?

Über die Veränderungen im NachtBus-Angebot seit Einführung des Liniennetzes im Jahr 1970 liegen keine zeitlich durchgängigen Informationen vor. Es wird daher der Zeitbereich ab dem Fahrplan aus dem Jahr 2005 mit Einführung des durchgehenden Nachtverkehrs betrachtet:

Im Zusammenhang mit der Einrichtung des durchgehenden Nachtverkehrs wurde das NachtBus-Angebot zum Fahrplan des Jahres 2005 neu organisiert. Zahlreiche Metro- und StadtBus-Linien ergänzen das Angebot der Schnellbahnen und ersetzen damit teilweise das bisherige NachtBus-Angebot.

Fahrplan

Linie

Maßnahme

2005

608

Übernahme des Abschnittes Großlohe – Stapelfeld von der Linie 362

613

Verkehr von S Elbgaustraße nach S Krupunder

617

Einstellung des Betriebes zwischen Berne und Wildschwanbrook, Bedienung durch die Linie 648

621

Verlängerung von Sieversstücken nach S Wedel

623

Start bereits ab U Niendorf Markt, anstatt in Burgwedel

627

Verlängerung von Bergstedt Markt nach S Poppenbüttel

629

Einstellung am Wochenende eingestellt, Ersatz durch die Linie 329

630

Einstellung Landungsbrücken – Rathausmarkt, Ersatz durch die Schnellbahn

637

Einstellung Ohlstedt – Poppenbüttel, Ersatz durch die Linie 276

638

Einstellung Wandsbek Markt – Farmsen – Rahlstedt, Ersatz durch Linie U1 und Linie 26

643

Bedienung des Langenbeker Feldes

648

Neue Linienführung in Meiendorf als Ersatz für die Linie 617

659

Einstellung Rathausmarkt – Neuallermöhe, Ersatz durch Schnellbahn und Linie 329

2007

688

Neueinrichtung Bf. Altona – St. Pauli – Rathausmarkt für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste

2008

640

Verkehr in beiden Richtungen über Finkenrieker Hauptdeich / KönigGeorg-Deich

643

Umkehrung der Fahrtrichtung der Ringlinie im Stadtgebiet Harburg in Anpassung an die Nachfrage

2009

649

Verkehr zwischen Reinbek und Bergedorf auf dem Linienweg der Linie 136. Der Abschnitt Korachstraße – Reinbek, Einstellung Großkoppel,

Umbestellung des Aufgabenträgers

2010

641

Übertragung von Fahrten zwischen Bf. Harburg und Hans-Dewitz-Ring an eine neue Linie 642, Anpassung an die veränderte Siedlungsstruktur

642

Einrichtung einer neuen NachtBus-Linie Bf. Harburg – Heimfeld, Anpassung an die veränderte Siedlungsstruktur

2011

616

Erweiterung des Angebotes zwischen Norderstedt und Harksheide um eine Fahrt pro Nacht, Umbestellung des Aufgabenträgers

2012

623

Verkehr von Elbgaustraße über Burgwedel nach Quickborn, Übernahme des Abschnittes U Niendorf Markt – Burgwedel von der Linie 191, Umbestellung des Aufgabenträgers

2013

602

Verlängerung von Rathausmarkt über HafenCity bis U Steinstraße, Anbindung der HafenCity

623

Einrichtung einer zusätzlichen Fahrt zwischen Burgwedel und Elbgaustraße

2014

602

Verschwenkung in der HafenCity über Marco-Polo-Terrassen, erweiterte Anbindung der HafenCity

608

Führung der Linie stadteinwärts im Bereich Bf. Tonndorf über die Tonndorfer Hauptstraße, Anpassung an die Tageslinien

617

Verlängerung ab Berne über Wildschwanbrook, Greifenberger Straße und Alter Zollweg bis U Farmsen, Erschließung Meiendorf Ost

2015

602

Verlängerung der Linie wird ab HafenCity über den Billhorner Röhrendamm bis S Tiefstack, Erschließung Rothenburgsort

627

Verkürzung auf den Abschnitt S Poppenbüttel – Bf. Bargteheide, Umbestellung des Aufgabenträgers

648

Linienänderung im Stadtgebiet Ahrensburg, Umbestellung des Aufgabenträgers

2016

619

Linienwegänderung im Raum Neu Schönningstedt, Schönningstedt und Ohe, Umbestellung des Aufgabenträgers

 

II. Schnellbahnen

13. Von wann bis wann ist derzeit Betriebspause?

Die Betriebspause beginnt nach der Ankunft des letzten planmäßigen Zuges auf dem Streckenabschnitt und endet mit dem Start des ersten planmäßigen Zuges. Daher variieren die Betriebspausen bei den Haltestellen und der Fahrtrichtung. Diese können im Einzelnen dem HVV-Fahrplanbuch oder dem Internet unter www.hvv.de entnommen werden.

HOCHBAHN

Grundsätzlich fahren gegen 0.30 Uhr die letzten Züge von der Innenstadt in die Außenbereiche und werden dort abgestellt. Zum Betriebsbeginn werden diese so eingesetzt, dass die ersten Fahrten gegen 04.30 Uhr die Innenstadt erreichen.

S-Bahn

Betrieblich notwendige Fahrten werden auch außerhalb dieses Zeitfensters durchgeführt, können jedoch zum Beispiel bei Baustellen entfallen.

In den Nächten Freitag/Sonnabend, Sonnabend/Sonntag und vor Feiertagen gibt es derzeit Betriebspausen auf folgenden Streckenabschnitten:

  • Bergedorf – Aumühle: 1.16 Uhr bis 4.06 Uhr (Sonnabend) und 1.16 Uhr bis 4.26 Uhr (Sonn- und Feiertage),
  • Blankenese – Wedel: 1.19 Uhr bis 4.03 Uhr (Sonnabend) und 1.19 Uhr bis 4.23 Uhr (Sonn- und Feiertage),
  • Ohlsdorf – Airport: 0.17 Uhr bis 4.25 Uhr,
  • Holstenstraße – Diebsteich: 0.49 Uhr bis 4.34 Uhr (Sonnabend) und 0.49 Uhr bis 4.54 Uhr (Sonn- und Feiertage).

In den Nächten Sonntag/Montag bis Donnerstag/Freitag sowie Feiertag/Montag bis Sonnabend gibt es derzeit folgende Betriebspausen:

  • Wedel – Altona: 1.19 Uhr bis 4.03 Uhr,
  • Altona – Jungfernstieg – Hauptbahnhof: 0.48 Uhr bis 3.51 Uhr,
  • Hauptbahnhof – Poppenbüttel: 1.15 Uhr bis 4.04 Uhr,
  • Ohlsdorf – Airport: 0.17 Uhr bis 4.25 Uhr,
  • Aumühle – Hauptbahnhof: 1.16 Uhr bis 4.06 Uhr,
  • Hauptbahnhof – Dammtor – Altona: 1.02 Uhr bis 4.21 Uhr,
  • Holstenstraße – Diebsteich: 0.49 Uhr bis 4.34 Uhr,
  • Altona – Pinneberg: 1.13 Uhr bis 4.10 Uhr,
  • Hauptbahnhof – Neugraben: 1.13 Uhr bis 4.09 Uhr.

Für die Strecke Neugraben – Stade lässt sich nur für die S-Bahn eine Aussage treffen, da kein Überblick über den Güterverkehr besteht: 1.27 Uhr bis 4.15 Uhr.

14. Welche Instandhaltungs- und Reinigungsarbeiten werden während der nächtlichen Betriebspause durchgeführt? Wie hoch ist der durchschnittliche Zeitaufwand für diese Arbeiten? Wie oft werden diese durchgeführt? Wie werden diese beim durchgehenden Betrieb am Wochenende durchgeführt?

HOCHBAHN

Instandhaltungstätigkeiten im Gleisbereich beziehungsweise mit Berührung des laufenden U-Bahn-Betriebes können weitestgehend nur in den nächtlichen Betriebspausen durchgeführt werden. Dies beinhaltet Arbeiten am Fahrweg (zum Beispiel Oberbau, Weichen und Stromschienen), an den Energieversorgungsanlagen sowie an der Zugsicherungstechnik. Hinzukommen alle Aktivitäten in den Haltestellen an der Bahnsteigkante, einige Reinigungsarbeiten in den Haltestellen (zum Beispiel Grundreinigungen) sowie alle Reinigungsaktivitäten in den Streckenbereichen, insbesondere in den Streckentunneln. Die Durchführung dieser Tätigkeiten benötigt eine Betriebsfreiheit und geht in der Regel mit Stromschienenabschaltungen sowie teilweise dem Einsatz von Arbeitszügen und Loren einher.

Der Zeitaufwand für die Instandhaltungsarbeiten schwankt erheblich und kann nicht mit einem durchschnittlichen Ansatz beantwortet werden. Ein Großteil der Tätigkeiten benötigt zur Durchführung eine beziehungsweise mehrere nächtliche Betriebspausen, inklusive der Auf- und Abrüstvorgänge.

Diverse Instandhaltungstätigkeiten können am Wochenende – seit Einführung des durchgehenden Nachtbetriebes am Wochenende – nicht mehr ausgeführt werden und mussten daher in die verbliebene nächtliche Betriebspause innerhalb der Woche verlagert werden.

S-Bahn

Während der Betriebspausen wird eine Vielzahl an kleineren und größeren Arbeiten durchgeführt, die auf verschiedenen Streckenabschnitten eine Sperrung für den Personenverkehr erfordert.

15. Welche Herausforderungen sieht der Senat, wenn diese Instandhaltungs- und Reinigungsarbeiten während der Betriebszeiten beziehungsweise während der Nachtzeiten mit deutlich reduzierten Taktungen durchgeführt werden müssten?

HOCHBAHN

Neben den unter der Antwort zu 14. genannten Tätigkeiten finden heute schon größere Instandhaltungs- beziehungsweise Erneuerungsaktivitäten während sogenannter Streckensperrungen mit Betriebsunterbrechung statt.

Ein durchgehender Betrieb ließe somit auch bei reduzierter nächtlicher Taktung keine

Instandhaltungsaktivitäten mehr zu, da der Fahrgastbetrieb grundsätzlich sichere Betriebszustände erfordert beziehungsweise die Instandhaltungsmaßnahmen keinen laufenden U-Bahn-Betrieb mehr ermöglichen. Eine weitere Verlagerung von Instandhaltungsmaßnahmen aus der nächtlichen Betriebspause ist aus Instandhaltungssicht kaum möglich und würde daher zu einer deutlich ansteigenden Zahl von Sperrungen mit Beeinträchtigung der Fahrgäste führen.

S-Bahn

Die Folge einer Aufhebung der Betriebspausen zugunsten eines durchgehenden Nachtbetriebes wären eine Vielzahl zusätzlicher Streckenabschnittssperrungen auch während der Woche abends sowie mehrfache Sperrungen am Wochenende, die es derzeit nur in Ausnahmefällen gibt.

16. Wie ist das nächtliche Angebot? Aufgeschlüsselt nach Bezirken, Linien und Betriebszeiten.

Der Wochenendnachtverkehr findet in den Nächten Freitag auf Sonnabend, Sonnabend auf Sonntag und vor Feiertagen statt. Die Betriebszeiten richten sich nach den Betriebspausen, siehe dazu Antwort zu 13. Das Schnellbahnangebot im Nachtverkehr erfolgt grundsätzlich im 20-Minuten-Takt.

Linie

Wochenendnachtverkehr 20-Minuten-Takt

Bezirke

U 1

Norderstedt Mitte – Jungfernstieg – Volksdorf

HH-Nord, HH-Mitte, Wandsbek

U 2

Niendorf Nord – Jungfernstieg – Mümmelmannsberg

Eimsbüttel, HH-Mitte

U 3

Barmbek – Schlump – Berliner Tor – Wandsbek-Gartenstadt

HH-Nord, Eimsbüttel, HHMitte, Wandsbek

U 4

HafenCity Universität – Jungfernstieg

HH-Mitte

S 1

Blankenese – Jungfernstieg – Poppenbüttel

Altona, HH-Mitte, Wandsbek

S 21

Altona – Dammtor – Bergedorf

Altona, HH-Mitte, Bergedorf

Linie

Wochenendnachtverkehr 20-Minuten-Takt

Bezirke

S 3

Elbgaustraße – Jungfernstieg – Neugraben

Eimsbüttel, Altona, HHMitte, Harburg

Davon abweichend verkehren

  • die Linie U1 zwischen Volksdorf und Ohlstedt im 40-Minuten-Takt,
  • die Linie U3 zwischen Schlump und Berliner Tor im 10-Minuten-Takt,
  • die Linie S3 zwischen Elbgaustraße und Pinneberg sowie zwischen Neugraben und Stade im Zwei-Stunden-Takt,
  • die Linie A1 mit einem Zugpaar zwischen Eidelstedt und Kaltenkirchen (Eidelstedt an 1.52, ab 2.01 Uhr).
    • Wie viele Fahrgäste nutzen das Angebot des HVV an Freitag- und Samstagnacht sowie an den Nächten vor Feiertagen?

Siehe Drs. 21/3138.

  • Wie ist das Angebot in anderen Millionenstädten (Berlin, Köln, München)?

Siehe Antwort zu 6.

  • Welche zusätzlichen Kosten entstehen durch den Nachtbetrieb an Wochenenden? Bitte aufschlüsseln nach Personalkosten, Energiekosten, sonstigen Kosten.

HOCHBAHN

Durch den Nachtverkehr mit U-Bahnen entstehen der HOCHBAHN jährliche Kosten in Höhe von circa 2,5 Millionen Euro. Eine genaue Aufteilung auf Kostenarten ist nicht möglich. Für die Zuordnung auf den Nachtverkehr wären die einzelnen Kostenarten nur näherungsweise über geschlüsselte Durchschnittswerte zu ermitteln. In der Kostenrechnung der HOCHBAHN erfolgt die Verrechnung der Kosten zu Planpreisen in Kostenblöcken (zum Beispiel Fahrdienst, Betriebslenkung, Instandhaltung). Der Anteil der Personalkosten an den Kostenblöcken kann von Kostenblock zu Kostenblock differieren. Zudem sind auf Ebene der Kostenblöcke die Primärkosten (zum Beispiel Personalkosten) nicht erkennbar.

S-Bahn

Die S-Bahn erhält gemäß dem Verkehrsvertrag für den Nachtverkehr Zahlungen in Höhe von circa 2 Millionen Euro pro Jahr. Des Weiteren hat die DB dazu keine Angaben gemacht.

  1. Welche zusätzlichen Einnahmen werden durch den Nachtbetrieb an Wochenenden generiert?

Hierzu können keine Angaben gemacht werden, da der Verkauf von Fahrkarten keinen direkten Rückschluss auf zusätzliche Einnahmen zulässt, die ausschließlich auf den Nachtverkehr zurückzuführen sind.

  1. Welche zusätzlichen Kosten würden durch den Nachtbetrieb an den restlichen Tagen entstehen? Bitte aufschlüsseln nach Personalkosten, Energiekosten, sonstigen Kosten.

Für eine Berechnung dieser Kosten ist es zum einen notwendig, die direkt entstehenden Kosten und zum anderen auch die sich aus der Antwort zu 15. ergebenden Betriebserschwerniskosten zu berücksichtigen. Da derzeit kein Angebot definiert ist, lassen sich die Kosten nicht ermitteln. Zusätzlich wäre das Busangebot zu überprüfen und anzupassen.

  1. Welche zusätzlichen Einnahmen würden durch den Nachtbetrieb an Wochenenden generiert? Bitte gegebenenfalls Vergleichszahlen aus anderen Städten angeben.

Um zusätzliche Einnahmen zu generieren, bedürfte es vorab einer Festigung des Leistungsangebotes, insoweit siehe Antwort zu 21. Zu anderen Städten liegen der zuständigen Behörde keine Angaben vor.

  1. Hat der Senat Umfragen/Erhebungen hinsichtlich der potenziellen Bedarfe von Schnellbahn-Nachtverkehren (außerhalb des derzeitigen Angebots) gemacht?

Wenn ja, welche Bedarfe wurden ermittelt?

Nein. Derzeit verkehren die Nachtbusse der HOCHBAHN und VHH nachfragegerecht im 30- bis 60-Minuten-Takt. Ein durchgängiger Schnellbahn-Nachtverkehr auch unter der Woche erscheint daher als unwirtschaftlich und nicht notwendig. Im Übrigen siehe Antwort zu 14.

  1. Welche Prognosen hinsichtlich der Nutzerentwicklung hat der Senat für die nächtliche Nutzung der Schnellbahnen bis 2020?

Der zuständigen Behörde liegen keine Prognosen hinsichtlich der Nutzerentwicklung für die nächtliche Nutzung der Schnellbahnen bis zum Jahr 2020 vor. Bei den NachtBussen erfolgen regelmäßig die Auswertungen der Ist-Daten der Nachfrage. Diese werden in der Angebotsplanung für das jeweilige Folgejahr berücksichtigt.

III. Allgemeine Fragen

  1. Wie bewertet der Senat die Potenziale durchgehender schienengebundener Nachtverkehre?

Die Potenziale durchgehender schienengebundener Nachtverkehre Sonntag auf Montag bis Donnerstag auf Freitag liegen aufgrund des deutlich geringeren Freizeitangebotes und damit auch erheblich geringeren Freizeitverkehrs maßgeblich unter den Potenzialen durchgehender schienengebundener Nachtverkehre an den Wochenendnächten oder vor Feiertagen. Bei der Abwägung ist auch zu berücksichtigen, dass ein durchgängig schienengebundener Nachtverkehr zulasten eines baustellenfreien Tagesverkehrs führt, da die Betriebspausen nicht mehr für Instandhaltungsarbeiten genutzt werden können. Siehe auch Antwort zu 15.

  1. Welches zusätzliche Fahrgastaufkommen kann durch schienengebundene Nachtverkehre voraussichtlich generiert werden? Bitte nach Verkehrsträgern differenziert angeben.

Der zuständigen Behörde liegen keine Prognosen darüber vor. Durch die Nachtsituation ergibt sich jedoch ein begrenztes Nachfragepotenzial, das ausreichend über den Busverkehr abgewickelt werden kann. Bei besonderen Großveranstaltungen kann – wie bereits heute in Einzelfällen umgesetzt – der Schnellbahnverkehr gezielt in die Nacht verlängert werden (zum Beispiel bei Fußball-WM, Hafengeburtstag).

  1. Hält der Senat eine Anbindung peripherer Stadtteile durch schienengebundene Nachtverkehre für sinnvoll, da Busanbindungen durch lange Fahrzeiten unattraktiv sind?

    Wenn nein, warum nicht?

Eine Anbindung peripherer Stadtteile durch schienengebundenen Nachtverkehr über das heutige Maß hinaus ist nur vertretbar, wenn eine ausreichende Nachfrage gegeben ist, um die höheren Kosten zu rechtfertigen sowie einen effizienten und wirtschaftlichen Verkehr anbieten zu können. Das derzeitige Angebot entspricht der Nachfrage. Bei der Bewertung der Reisezeiten ist zu berücksichtigen, dass nicht jede Busanbindung im Nachtverkehr grundsätzlich mit deutlich längeren Fahrzeiten verbunden ist und die längere Fahrzeit der Busse zumindest teilweise durch kürzere Fußwege zwischen Haltestelle und endgültigem Ziel kompensiert werden kann.

  1. Inwieweit wäre die Einführung eines Nachttarifs erforderlich, um die Ausweitung des Fahrplans gegenfinanzieren zu können? Wie müsste ein solcher Nachttarif aussehen?

Ein Nacht-Zuschlag lässt sich in die Praxis schwierig umsetzen, da dieser nicht mehr nur für ein abgegrenztes Nachtbusangebot, sondern auch für Schnellbahnlinien eingeführt werden müsste, bei denen sich der Nachtbetrieb nicht klar vom Tagbetrieb unterscheidet. Es müsste daher eine zuschlagspflichtige Zeitspanne definiert werden. Damit würde man für alle HVV-Fahrkarten (einschließlich durchgängig gültiger Zeitkarten) zusätzliche Zeitgrenzen einführen, was zu zahlreichen Verständnisschwierigkeiten und Fehlnutzungen führen würde. Insbesondere im Nachtbetrieb ist damit zu rechnen, dass Fahrgäste mitunter Schwierigkeiten haben, sich mit komplizierten Tarifregelungen auseinanderzusetzen. Für die Durchsetzung eines Nachtzuschlages müsste daher entsprechendes zusätzliches Kontrollpersonal eingesetzt werden, dessen Einsatz zusätzliche Kosten verursacht.

Ein Nachttarif würde den Tarif daher komplizieren und wäre den Fahrgästen nur schwer zu vermitteln. Im Übrigen siehe Antwort zu 21.

  1. Gibt es technische Hindernisse für einen durchgehenden Betrieb in allen Nächten?

Die Abwicklung der Instandhaltung im Schnellbahnsystem ist keine Nebenaktivität, sondern essenzieller Bestandteil für einen leistungsfähigen und sicheren Betrieb. Die technische Instandhaltung des Fahrweges, der Haltestellen, der elektrotechnischen und der signaltechnischen sowie reinigungstechnischen Aktivitäten benötigt zusammenhängende Zeitfenster zur Bearbeitung, die unter einem laufenden Betrieb nicht gegeben sind.