Gesundheitsgefahren durch Stechmücken

BÜRGERSCHAFT

DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG     Drucksache 21/3406

21. Wahlperiode     01.03.16

Schriftliche Kleine Anfrage

des Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg (FDP) vom 23.02.16

und Antwort des Senats

    Betr.:     Gesundheitsgefahren durch Stechmücken

Ich frage den Senat:

  1. Welche Krankheiten, die auch in Deutschland festgestellt wurden, werden durch Stechmücken übertragen?

Durch Stechmücken können sehr unterschiedliche Infektionserreger wie Viren oder Parasiten auf Menschen übertragen werden. Bisher wurden keine Virusinfektionen registriert, die durch Stechmücken in Deutschland übertragen wurden.
In Deutschland werden über das Meldewesen für Infektionskrankheiten beim Menschen nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) Fälle von folgenden Krankheiten erfasst, die von Stechmücken übertragen werden: Dengue-Fieber, Chikungunyafieber, West-Nil-Fieber oder Malaria. Diese Krankheiten sind in Deutschland natürlicherweise nicht vorkommend. Auch Gelbfieber wird durch Stechmücken übertragen, aber seit dem Inkrafttreten des IfSG wurden keine Fälle in Deutschland gemeldet.

Folgende Infektionen bei Tieren, die durch Stechmücken übertragen werden können, sind in Deutschland bei der Behörde anzeige- oder meldepflichtig: Afrikanische Pferdepest, Ansteckende Blutarmut der Einhufer, Blauzungenkrankheit, Epizootische Hämorrhagie der Hirsche, Lumpy-Skin-Krankheit, Pferdeenzephalomyelitis, RifttalVirus, Schmallenberg-Virus, West-Nil-Virus.

  1. Wie oft wurden diese Krankheiten in Deutschland und in Hamburg in den Jahren 2011 – 2015 festgestellt? Bitte nach Jahren aufschlüsseln.

In der nachstehenden Tabelle sind die nach dem Infektionsschutz gemeldeten Fälle Moskito-übertragener Infektionskrankheiten beim Menschen in Hamburg und Deutschland von 2011 bis 2015 (Fälle mit erfüllter Referenzdefinition) dargestellt.

 

Denguefieber

Chikungunyafieber

Malaria

 

 

Hamburg

Deutschland

Hamburg

Deutschland

Hamburg

Deutschland

2011

17

288

0

13

58

563

2012

30

616

0

9

71

551

2013

37

878

0

16

54

638

2014

29

626

10

162

77

1.011

2015

38

722

16

109

119

988

Vom West-Nil-Fieber wurden im gefragten Zeitraum keine importierten Fälle registriert.

Zu meldepflichtige Tierkrankheiten und anzeigepflichtigen Tierseuchen in Deutschland, die über Stechmücken übertragen werden können, siehe Anlage.

 

    Drucksache 21/3406      Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg – 21. Wahlperiode

  1. Welche dieser Krankheiten werden durch einheimische Mücken übertragen?

Bisher wurden keine autochthonen, durch Stechmücken übertragenen Virusinfektionen beim Menschen in Deutschland und Hamburg registriert.

Auswertungen zu den Mückenarten, die die oben angegebenen Tierseuchen übertragen können, sind der zuständigen Behörde nicht bekannt.

  1. Wurden in den letzten Jahren in Deutschland Mückenarten beobachtet, die Krankheiten übertragen, aber in Deutschland früher nicht heimisch waren?

    Wenn ja: Welche sind das und wie sind diese nach Deutschland gekommen?

Die zuständige Behörde führt dazu keine Auswertungen durch.

Nach Aussage des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin wurden in den letzten Jahren in Deutschland zwei neue Mückenarten beobachtet, die vor 2008 in Deutschland nicht bekannt waren. Dabei handelt es sich um den Japanischen Buschmoskito (Aedes japonicus) und die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Der Japanische Buschmoskito stammt ursprünglich aus gemäßigten Breiten in Asien und ist aus der Schweiz nach Deutschland eingewandert. Wie er in die Schweiz gekommen ist, ist nicht bekannt. Die Asiatische Tigermücke stammt aus warmen Regionen in Asien und wurde über den internationalen Warenhandel etwa 1995 nach Italien eingeschleppt und hat sich dort und in anderen südeuropäischen Ländern flächendeckend ausgebreitet. Über den Transitverkehr werden einzelne Exemplare der Asiatischen Tigermücke regelmäßig aus Südeuropa nach Deutschland eingeschleppt. Eine Etablierung wie beim Japanischen Buschmoskito konnte für die Asiatische Tigermücke in Deutschland bisher nicht nachgewiesen werden.

  1. Welche Mückenarten, die Krankheiten übertragen können, aber noch nicht in Deutschland heimisch sind, können bei den hiesigen klimatischen Bedingungen überleben?

Es gibt weltweit circa 3.500 Stechmückenarten, von denen eine größere Zahl in der Lage ist, pathogene Erreger zu übertragen. In Deutschland sind bisher 51 Stechmückenarten nachgewiesen worden. Ob weitere Stechmückenarten nach Deutschland eingeschleppt und sich ansiedeln werden, ist zurzeit nicht abschätzbar. Grundsätzlich gibt es eine große Zahl weiterer Stechmückenarten, die sich aufgrund der aktuellen und zukünftigen klimatischen Gegebenheiten in Deutschland ansiedeln könnten.

Die Stechmückenfauna im Großraum Hamburg wurde in den letzten 80 Jahren wiederholt sehr dezidiert untersucht. Dabei sind nur unwesentliche Veränderungen in der Zahl der unterschiedlichen Stechmückenarten festgestellt worden.

  1. Welche Vorsichtsmaßnahmen sollten Hamburger Bürger beachten, um eine Ansteckung durch eine Stechmücke zu vermeiden?

Für Menschen, die sich in Endemiegebieten von Infektionskrankheiten aufhalten, die durch Stechmücken übertragen werden, besteht eine Expositionsprophylaxe im Schutz vor Mückenstichen durch langärmelige Hemden/Blusen, lange Hosen, am Abend Aufenthalt in geschlossenen Räumen, Anwendung von Repellents und Insektiziden und im Gebrauch von Moskitonetzen. Reisende in Malariagebiete sollten sich bezüglich einer medikamentösen Malariaprophylaxe an eine tropenmedizinische Beratungsstelle wenden. Impfstoffe gegen die hier besprochenen Krankheiten gibt es lediglich gegen die Japanische Encephalitis und Gelbfieber.

 

 

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Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg – 21. Wahlperiode     Drucksache 21/3406

Anlage

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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