Fahrgastinformations- und Managementsystem

BÜRGERSCHAFT

DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG     Drucksache 21/2019

21. Wahlperiode     30.10.15

Schriftliche Kleine Anfrage

des Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg (FDP) vom 23.10.15

und Antwort des Senats

    Betr.:     Fahrgastinformations- und Managementsystem

Die Hamburger Hochbahn verfügt für ihre Busse über das an sich sehr sinnvolle Fahrgastinformations- und Managementsystem FIMS. Allerdings besteht der Eindruck, dass dieses optimiert werden könnte.

Ich frage den Senat:

Der Senat beantwortet die Fragen teilweise auf der Grundlage von Auskünften der Hamburger Hochbahn AG (HOCHBAHN), der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein AG (VHH), der Deutschen Bahn AG inklusive S-Bahn Hamburg GmbH (DB AG/S-Bahn) sowie der Hamburger Verkehrsverbund GmbH (HVV) wie folgt (Angaben der Kraftverkehrsgesellschaft Stade GmbH & Co. KG (KVG) lagen bis Ende der Bearbeitungsfrist nicht vor):

  1. Sind mittlerweile alle Busse der Hochbahn mit dem FIMS ausgestattet?

         Wenn nein: wie viele nicht und warum nicht?

Ja. Sämtliche Busse der HOCHBAHN sind per Fahrgastinformations- und Managementsystem (FIMS) erreichbar.

  1. Deckt FIMS das gesamte von Bussen der HOCHBAHN bediente Gebiet ab oder gibt es Gebiete, in denen die Kommunikation des Bordrechners mit dem Stammrechner unterbrochen oder eingeschränkt ist?

Wenn ja: Welche Gebiete sind das und wann werden diese einbezogen?

Das Bedienungsgebiet der HOCHBAHN wird von FIMS grundsätzlich komplett abgedeckt. Es gibt lediglich ein äußerst kleines Gebiet in Fleestedt (mit einem ungefähren Radius von 1 km), welches ein Funkloch hat. Eine Änderung ist derzeit nicht geplant.

  1. Wieso werden angesichts des Vorhandenseins von FIMS noch Planfahrten durchgeführt?

Mit FIMS werden ausschließlich Fahrtzeitdaten erhoben. Daraus lassen sich unter anderem Verspätungen ermitteln. Planfahrten wiederum werden durch den Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) durchgeführt, mit dem Ziel die einzelnen Verspätungsursachen auf den Buslinien zu erfassen. Dazu fährt Messpersonal in den Bussen mit.

  1. Wer erfährt von Verspätungen des jeweiligen Busses?

Die Verspätungen der jeweiligen Busse werden zuerst in der Betriebszentrale Bus bearbeitet. An den Haltestellen, die mit einer Dynamischen Fahrgastinformationsanzeige (DFI-Anzeige) ausgerüstet sind, werden die Fahrgäste informiert. Aktuelle Abweichungen vom Sollfahrplan (siehe Antwort zu 3.) werden außerdem den Fahrern auf dem Display des Fahrscheindruckers angezeigt.

    Drucksache 21/2019      Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg – 21. Wahlperiode

  1. Sofern die Fahrgäste des jeweiligen Busses hiervon nicht automatisch erfahren: warum nicht?

Durch die DFI-Anzeige an den Haltestellen werden die dort wartenden Fahrgäste über die aktuelle Ankunftszeit des jeweiligen Busses automatisch informiert.

  1. Wie oft hat FIMS im ersten Halbjahr 2015 Verspätungen der Busse von mehr als 3 Minuten festgestellt? Bitte in absoluten Zahlen und in Prozent der fahrenden Busse angeben und die Vergleichswerte der ersten Halbjahre 2012, 2013 und 2014 angeben.

Verbunden mit der Fristsetzung greift die HOCHBAHN auf bereits vorhandene Auswertungen zur Beantwortung dieser Frage zurück. Hieraus ergeben sich die folgenden prozentualen Busverspätungsangaben von mehr als fünf Minuten:

Zeitraum

Anteil Busverspätung > 5 Minuten

2012

6,0%

2013

5,7%

2014

5,4%

Erste drei Quartale 2015:

5,1%

Darüber hinaus liegen keine weiteren Angaben vor.

  1. Haben der VHH, der PVG und der KVG mit FIMS vergleichbare Einrichtungen? Wie heißen diese und inwieweit unterscheiden sich deren Leistungsmerkmale von denen des FIMS?

Die VHH (inklusive PVG) verfügt über ein vergleichbares System unter dem Namen RBL (Rechnergesteuertes Betriebsleitsystem beziehungsweise ITCS (Intermodal Transport Control System). Bei der KVG ist ein entsprechendes System im Aufbau.

Im Wesentlichen unterscheiden sich die Systeme nicht. Kernaufgabe der Systeme FIMS/RBL/ITCS ist jeweils die allgemeine Betriebssteuerung. Über einen zentralen Server werden dabei alle anfallenden Betriebsdaten gesammelt und mit den ursprünglichen Planungsdaten verglichen. Je nach Hersteller und Anwender gibt es hierbei voll- und teilautomatische Prozesse. Wesentliche Systemkomponenten sind ein zuverlässiges System zur Ortung der Fahrzeuge (GPS), eine geeignete technische Intelligenz auf jedem Führungsfahrzeug sowie ein Funksystem zum Übermitteln der Informationen. Ein Teil des Datenbestandes kann dann wiederum zur Berechnung und Übermittlung der Fahrplanlagen und daraus resultierender Ankunfts-Prognosen für die Fahrgastinformation via DFI an den Haltestellen genutzt werden.

  1. Werden die Erkenntnisse von FIMS und den vergleichbaren Einrichtungen der anderen Unternehmen überall in Echtzeit automatisch ausgetauscht?

    Wenn nein: wo und warum nicht?

Der HVV realisiert derzeit den Aufbau einer Datenbank, in der die Ist-Daten aller Verkehrsmittel im HVV verwaltet werden.

  1. Stehen auf allen DFI-Anzeigetafeln die Ist-Ankunftszeiten aller Buslinien aller Unternehmen zur Verfügung?

Wenn nein: An welchen nicht und wann wird das geändert?

Auf Hamburger Gebiet werden die Ist-Zeiten der HOCHBAHN und VHH sowie der KVG im Auftragsverkehr unternehmensübergreifend auf den DFI-Masten angezeigt. Im Rahmen des laufenden Ausbaus der Echtzeitfahrplaninformationen wird es möglich sein, Ist-Zeiten von weiteren Verkehrsunternehmen anzuzeigen.

  1. Wie oft wurden aufgrund der Erkenntnisse von FIMS andere Busse oder Schnellbahnen angehalten, damit diese aufgrund von Verspätungen eines Busses noch erreicht werden konnten? Bitte für die ersten Halbjahre 2012, 2013, 2014 und 2015 angeben.

Es ist eine der ständigen Aufgaben der Betriebszentrale Bus sowie des Fahrpersonals, etwaige Verspätungslagen kundenorientiert zu lösen, die HOCHBAHN führt kei-

2

    Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg – 21. Wahlperiode     Drucksache 21/2019

ne Statistik hierüber. Ferner ist im FIMS das Anschlusssicherungssystem (ASS) integriert, durch das die Busse an den vom HVV vorgegebenen Anschlusspunkten im Spätbetrieb über Abweichungen informiert werden und den Anschluss herstellen. Eine Anschlusssicherung bei der S-Bahn Hamburg in der beschriebenen Form gibt es aufgrund der engen Taktung des S-Bahnverkehrs nicht.

         3