Duales System der Krankenversicherung erhalten – Der Wettbewerb zwischen Privater und Gesetzlicher Krankenversicherung fördert medizinische Innovationen und sichert Arbeitsplätze in Hamburg

BÜRGERSCHAFT

DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG     Drucksache 21/9129

21. Wahlperiode     16.05.17

 

Antrag

der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg, Katja Suding,

Anna-Elisabeth von Treuenfels-Frowein, Michael Kruse, Jennyfer Dutschke (FDP) und Fraktion

Betr.:     Duales System der Krankenversicherung erhalten – Der Wettbewerb zwischen Privater und Gesetzlicher Krankenversicherung fördert medizinische Innovationen und sichert Arbeitsplätze in Hamburg

Das duale System der Krankenversicherung in Deutschland basiert auf einem Nebeneinander von gesetzlichen Krankenkassen und privaten Versicherungsunternehmen. Dieses System hat sich grundsätzlich bewährt. Die Bürgerinnen und Bürger können auf eine qualitativ hochwertige und flächendeckende Versorgung mit Gesundheitsleistungen vertrauen. Das deutsche Gesundheitssystem gewährleistet auch im internationalen Vergleich eine hohe Qualität der Leistungen. Im Gegensatz dazu sind in anderen europäischen Ländern mit staatlichen beziehungsweise vereinheitlichten Gesundheitssystemen lange Wartezeiten für fast alle Patienten bis hin zu Rationierungen im Gesundheitssystem sowie Einschränkungen der Freiheit bei der Arztwahl zu verzeichnen.

Der medizinisch-technologische Fortschritt ermöglicht immer bessere Behandlungsmöglichkeiten gerade bei schweren Erkrankungen. Medizinische Innovationen lassen die Menschen länger gesund leben und führen zu einer längeren Lebenserwartung. Die private Krankenversicherung (PKV) ist dabei ein Motor für Innovationen aufgrund der frühzeitigen und häufig überproportionalen Finanzierung. Für eine Kostenübernahme durch private Krankenversicherungen muss eine Innovation wissenschaftlich anerkannt, zugelassen und medizinisch notwendig sein. Neue Behandlungsmethoden benötigen aber im Gegensatz zur ambulanten Versorgung im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht erst eine langwierige Zulassung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss. Beispiele für Innovationen, deren Einführung durch die PKV befördert wurde, sind unter anderem das Positronen-Emissions-Tomographie-CT (PET-CT), die Computertomographie des Herzens (Cardio-CT) sowie Genexpressionstests bei Brustkrebs. Die Vorreiterrolle der PKV führt dazu, dass sich auch das System der gesetzlichen Versorgung mit derartigen Innovationen auseinandersetzen muss und entweder Anträge an den Gemeinsamen Bundesausschuss gestellt werden oder Selektivverträge einzelner Krankenkassen abgeschlossen werden. Ohne den Systemwettbewerb von GKV und PKV würde sich hingegen die Aufnahme von medizinischen Innovationen in die Regelversorgung deutlich verzögern.

Die Private Krankenversicherung hat auch eine stabilisierende Wirkung für das gesamte System der Gesundheitsversorgung. Durch die Vergütungen der PKV entsteht eine Mischfinanzierung, die den Leistungserbringern insbesondere im niedergelassenen Bereich ein betriebswirtschaftlich vertretbares Investment erleichtert und Restriktionen aufgrund der Budgets in der GKV-Versorgung auszugleichen hilft. Ohne diese Mischkalkulation würde es mittelbar zu Angebots- und Qualitätsverlusten auch für gesetzlich Versicherte kommen. Bei einer Harmonisierung der Abrechnung in GKV und PKV (Gebührenordnung) müssten ansonsten wegfallende Einnahmen aus dem PKV-Bereich ausgeglichen werden. Zudem sieht die PKV in Form ihrer Alterungsrückstellungen kapitalgedeckte Vorsorge vor, über die die GKV nicht verfügt. Diese

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Zukunftsvorsorge hilft, die Anforderungen des demografischen Wandels abzufedern und nicht alleine zulasten der jungen Generation zu finanzieren.

SPD und Bündnis 90/Die Grünen fordern den Übergang zu einer sogenannten Bürgerversicherung, die in ihrer Konsequenz als eine verpflichtende Einheitsversicherung alle Bürger, also auch Beamte sowie Selbständige und Freiberufler, einbeziehen würde. Das derzeitige duale System von GKV und PKV soll in der Folge zusammengeführt werden. Das von SPD und GRÜNEN postulierte Ziel der Abschaffung einer Zweiklassenmedizin, von der angeblich lediglich die Privatversicherten profitieren, wird aber so nicht erreicht. Vielmehr würde eine sogenannte Bürgerversicherung dazu führen, dass nur einige wenige Personen, die über erheblich mehr finanzielle Mittel für Gesundheitsleistungen verfügen, exklusive Behandlungen direkt aus eigener Tasche bezahlen könnten, während der überwiegende Teil der Bevölkerung auf das gesetzlich reglementierte Versorgungsangebot angewiesen wäre. So würde überhaupt erst eine Zweiklassenmedizin entstehen. Gerade Berufsgruppen wie Lehrer, Polizisten und andere Beamte, die bisher zu relativ günstigen Tarifen in der PKV versichert sind, müssten in eine Bürgerversicherung wechseln und dabei Einschnitte hinnehmen. Die Zielsetzung, für mehr Gerechtigkeit und Solidarität zu sorgen, führt letztlich zum Gegenteil.

Die rot-grünen Pläne zur Einführung einer Bürgerversicherung richten sich aber nicht nur eindeutig gegen die knapp 9 Millionen Privatversicherten und ihre Versicherer, sondern auch gegen deren Beschäftigte, die dann ihren Arbeitsplatz verlieren würden. Viele dieser Arbeitsplätze sind in Hamburg.

Die Bürgerschaft möge daher beschließen:

Der Senat wird aufgefordert,

  1. sich für den Erhalt des dualen Systems der Krankenversicherung aus gesetzlichen Krankenkassen und privaten Versicherungsunternehmen einzusetzen und so medizinische Innovationen zu fördern und Arbeitsplätze in Hamburg zu sichern.
  2. der Bürgerschaft bis zum 01.11.2017 über seine Bemühungen und Fortschritte zu berichten.

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