Dispositionsplattform des HVV

BÜRGERSCHAFT

DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG     Drucksache 21/8646

21. Wahlperiode     13.04.17

Schriftliche Kleine Anfrage

des Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg (FDP) vom 06.04.17

und Antwort des Senats

    Betr.:     Dispositionsplattform des HVV

Auf der Pressekonferenz zur Jahresbilanz des HVV wurde unter anderem eine Dispositionsplattform für flexible Angebote angekündigt. Diese soll als Ergänzung zu den bestehenden Linienverkehren eingeführt werden.

Vor diesem Hintergrund frage ich den Senat:

Der Senat beantwortet die Fragen auf der Grundlage von Auskünften des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) wie folgt:

  1. Welche Vorteile verspricht sich der HVV durch die Einführung der Dispositionsplattform?

Innovative Angebote und Dienstleistungen, die durch digitale Anwendungen möglich werden, eröffnen die Chance, auf sich ändernde Anforderungen der Kundinnen und Kunden gezielt einzugehen. Mit der Dispositionsplattform im HVV soll sowohl der Zugang als auch der Betrieb von flexiblen Verkehren als Ergänzung von Linienverkehren vereinfacht und professionalisiert werden. Fahrtwünsche der Kundinnen und Kunden in ausgewählten Bedienungsgebieten werden dabei über ergänzende flexible Fahrtenangebote ohne starre Bindung an Fahrplan und Linienweg von der Dispositionsplattform organisiert und optimiert. Im Rahmen des Forschungsvorhabens wird untersucht, ob und in welchem Umfang über diese flexiblen Verkehre neue Nutzerpotentiale erreicht werden können.

  1. Wie hoch sind die voraussichtlichen Gesamtkosten für die Dispositionsplattform?
  2. Wie hoch ist die Förderung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur für das Vorhaben „Dispositionsplattform“?
  3. Inwiefern unterstützt der Senat das Vorhaben? Werden hierfür beispielsweise zusätzliche Finanzmittel bereitgestellt?

Die voraussichtlichen Kosten des Vorhabens zur Entwicklung und Umsetzung einer Dispositionsplattform betragen insgesamt 810.000 Euro. Im Rahmen des Förderprogramms „eTicketing und digitale Vernetzung im ÖPNV“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) wird das Vorhaben seit Dezember 2016 gefördert. Das BMVI trägt 50 Prozent der Kosten. Die Freie und Hansestadt Hamburg übernimmt die erforderliche Kofinanzierung, soweit diese nicht durch die beteiligten Verkehrsunternehmen erfolgt.

  1. Wann soll das Vorhaben offiziell starten und wann soll die Testphase abgeschlossen sein?

Die Laufzeit des Vorhabens von Januar des Jahres 2017 bis Ende September des

Jahres 2018 ist durch das Bundesförderprogramm zur Digitalen Vernetzung im öffent-

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lichen Personenverkehr vorgegeben. Die Umsetzungsphase mit Probebetrieb für Fahrgäste ist ab dem Fahrplanwechsel im Dezember des Jahres 2017 für sechs Monate geplant.

  1. Welche Arbeitsschritte sind vorgesehen, um die Dispositionsplattform aufzubauen und zu betreiben? Sofern möglich, bitte jeweilige Arbeitsschritte beschreiben und Zeitplan angeben.

Die Umsetzungsplanung sowie die zeitliche Abfolge sind in der folgenden Darstellung beschrieben:

Arbeitsphase

Zeitplan

Arbeitsschritte


 

Analyse/Projektierung/ Vergabe

1/2017 –

9/2017

Abgrenzung der Teilprojekte, Datenbasis für Evaluierung, Rahmenbedingungen für Betrieb, Anforderungen an Dispositionssystem, Lastenheft für Vergabe, Vergabe Dispositionssystem

Systemaufbau/Systemtest

9/2017 – 12/2017

Anpassung von Software, Schnittstellen, Fahrzeugausrüstung

Betrieb/Evaluierung

12/2017

– 6/2018

Betriebsdurchführung, Dokumentation, Kundenakzeptanz

Verwertung

6/2018 – 9/2018

Berichterstellung, Übertragbarkeit, ggfs. Übergang in Regelbetrieb

  1. Wie hoch schätzt der Senat/der HVV das Nutzerpotenzial für einen solchen Service ein?

Eine Zielsetzung der Dispositionsplattform ist unter anderem, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, inwieweit durch ein flexibleres Fahrtenangebot zusätzliche Nutzerinnen und Nutzer für den öffentlichen Personennahverkehr gewonnen werden können. Vor diesem Hintergrund liefe eine vorweggenommene Schätzung ohne Datengrundlage dem Inhalt des Forschungsvorhabens zuwider.

  1. Entstehen dem Nutzer zusätzliche Kosten (beispielsweise Aufschläge auf den Fahrpreis)?

Wenn ja, wie hoch werden die Preisaufschläge voraussichtlich sein?

Wenn nein, wie will der HVV die Wirtschaftlichkeit des Angebotes sicherstellen?

Preisaufschläge auf den Fahrpreis sind im Vorhaben für den Probebetrieb mit disponiertem Fahrtenangebot derzeit nicht vorgesehen.

  1. In welchen Stadtteilen/Gebieten und in welchen Korridoren sollen die Fahrzeuge, die über die Dispositionsplattform organisiert werden, verkehren?

Nach derzeitigem Projektstand werden in Hamburg zwei Gewerbegebiete für den Testbetrieb der Dispositionsplattform ausgewählt:

Hafen:

Waltershof, abgegrenzt durch die Verknüpfungshaltestellen Bubendey-Ufer und BABAuffahrt Waltershof.

Billbrook:

Das Gebiet zwischen Grusonstraße im Westen, Billbrookdeich im Norden, Unterer Landweg im Osten und der S-Bahn im Süden. Angebunden wird der flexible Verkehr an die Verknüpfungshaltestellen U Billstedt und S Billwerder-Moorfleet.

  1. Welche Buslinien in welcher Taktung werden derzeit in den Korridoren eingesetzt? Welche Haltstellen werden dabei angefahren?

 

 

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Waltershof:

StadtBus 151

Bedienungszeiten Mo.-Fr. von 5.00 bis 23.30, Sa. von 5.30 bis 23.00, So von 5.30 bis 23.00,

Taktung Mo.-Fr. 30/60 min (Hauptverkehrszeit (HVZ)/Nebenverkehrszeit (NVZ)), Sa. 60 min, So. 60 min.

Haltestellen in dem Gebiet:

Dradenau, BAB-Auffahrt Waltershof, Zollamt Waltershof.

Billbrook:

StadtBus 130

Bedienungszeiten Mo.-Fr. von 5.00 bis 22.00, Sa. von 6.00 bis 22.00, So. von 10.00 bis 22.00,

Taktung Mo.-Fr. 20/40 min (HVZ/NVZ), Sa. 40/60 min, So. 60 min.

StadtBus 230

Bedienungszeiten Mo.-Fr. von 4.30 bis 23.30, Sa. von 8.00 bis 23.00, Taktung Mo.-Fr. 20 min, Sa. 30 min.

StadtBus 330

Bedienungszeiten Mo.-Fr. von 4.30 bis 23.30, Sa. von 7.00 bis 23.30, So. von 7.00 bis

23.30,

Taktung Mo.-Fr. 60 min, Sa. 60 min, So. 60 min.

StadtBus 160

Bedienungszeiten Mo.-Fr. von 4.30 bis 24.00, Sa. von 4.30 bis 24.00, So. von 6.30 bis

24.00,

Taktung Mo.-Fr. 10/20/60 min (HVZ/NVZ/SVZ), Sa. 40/60 min (HVZ/NVZ), So. 60 min.

StadtBus 260

Bedienungszeiten Mo.-Fr. von 6.00 bis 9.00 und 14.00 bis 18.00, (fr. von 12.45 bis

18.00),

Taktung Mo.-Fr. 10/20 min (HVZ früh/HVZ Nachmittag).

Haltestellen in dem Gebiet:

Blaue Brücke, Wöhlerstraße, Billbrookdeich, Grusonstraße, Bredowbrücke, Feuerwehrakademie Hamburg, Bredowstraße (Mitte), Pinkertbrücke, Pinkertweg 12, Pinkertweg (Mitte), Moorfleeter Straße (Süd), Porgesring, Bredowstraße (Ost), WernerSiemens-Straße 20, Werner-Siemens-Straße 34, Moorfleeter Straße (Mitte), Liebigstraße 30, Liebigstraße (Mitte), Berzeliusstraße (West), Berzeliusstraße 42, Moorfleeter Straße (Nord), Billbrookdeich 210, Billstieg und Billstieg Kehre.

  1. Inwiefern beabsichtigt der HVV die regulär verkehrenden Linien in diesen Korridoren einzuschränken?

Derzeit ist vorgesehen, das Angebot der Linienverkehre beizubehalten.

  1. Wie viele und welche Fahrzeuge sollen im Rahmen des Vorhabens eingesetzt werden?

Nach derzeitigem Stand werden Bestandsfahrzeuge der Verkehrsunternehmen im Probebetrieb zum Einsatz kommen. Die Anzahl der einzusetzenden Fahrzeuge steht noch nicht fest.

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