Der Süden wird abgehängt – Kommt die S32 doch nicht?

BÜRGERSCHAFT

DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG     Drucksache 21/1027

21. Wahlperiode     17.07.15

Schriftliche Kleine Anfrage

der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg und Dr. Kurt Duwe (FDP) vom 09.07.15

und Antwort des Senats

    Betr.:     Der Süden wird abgehängt – Kommt die S32 doch nicht?

In den Ausführungen des Senators Horch ist von der S32 bis nach Harburg keine Spur mehr zu finden. Eigentlich sollte die S32 von Elbgaustraße bis Harburg geführt werden, jetzt soll sie jedoch nur noch bis zum Hauptbahnhof fahren. Die S32 soll eingesetzt werden, weil die AKN-Strecke zwischen Hamburg-Eidelstedt und Kaltenkirchen als S-Bahn Linie ertüchtigt wird und dadurch an der hoch frequentierten Haltestelle Elbgaustraße Züge wegfallen.

Die Strecke zwischen Hamburg – Harburg, wird von der S3 und S31 bedient und ist schon jetzt vollkommen überlastet.

Wir fragen den Senat:

Der Senat beantwortet die Fragen auf Grundlage von Auskünften der Deutschen Bahn AG (DB AG), der S-Bahn Hamburg GmbH, der Metronom Eisenbahngesellschaft mbH (Metronom) sowie des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) wie folgt:

  1. Wie viele Fahrgäste werden täglich auf der Strecke zwischen Hamburger Innenstadt und Harburg transportiert? Bitte zwischen Werktagen, Samstagen und Sonntagen/Feiertagen für S-Bahn und metronom aufschlüsseln?
  2. Wie haben sich diese Beförderungszahlen seit 2010 entwickelt?

Nachfolgende Tabelle zeigt die durchschnittliche tägliche Fahrgastfrequentierung im Schienenpersonennahverkehr der Linien S3, S31 (Züge der S-Bahn Hamburg GmbH) sowie RE3, RE4, RE5, RB31 und RB41 (Züge der Metronom Eisenbahngesellschaft mbH) zwischen Hamburg Hbf. und Hamburg-Harburg und deren Entwicklung zwischen 2010 und 2013. Eine weitergehende Differenzierung kann nicht vorgenommen werden, da detaillierte Daten teilweise als Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse behandelt werden und nicht veröffentlicht werden.

Gesamt

2013

2010

Veränderung

Verkehrstage

(tägliche Reisenden- zahl in Tsd.)

(tägliche Reisenden- zahl in Tsd.)

(%)

Montags bis freitags

201,4

177,9

+ 13,2%

Sonnabends

134,8

115,2

+ 17,0%

Sonn- und feiertags

93,7

80,2

+ 16,9%

  1. Welche Beförderungsqualität (Taktung, Sitzplätze, Auslastung et cetera) weisen die Züge der S3 und S31 auf?

Die S3 verkehrt wie alle S-Bahn-Linien in Hamburg im 20-Minuten-Grundtakt, der auf dem Abschnitt (Altona –) Hauptbahnhof – Hamburg-Harburg tagsüber zum zehn-

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Minuten-Takt verdichtet wird. Zusätzlich verstärkt die Linie S31 das Angebot auf dem Streckenabschnitt Hauptbahnhof – Harburg nachfragebedingt durch einen zusätzlichen zehn-Minuten-Betrieb, sodass hier tagsüber ein angenäherter fünf-Minuten-Takt angeboten wird. Auf dem Streckenabschnitt Neugraben – Stade gelten nachfrageabhängig geringere Taktvorgaben (vom zehn-Minuten-Takt zwischen Neugraben und Buxtehude in den Hautverkehrszeiten bis zum 60-Minuten-Takt zwischen Buxtehude und Stade in den Neben- und Schwachverkehrszeiten).

Die Linien S3 und S31 werden in der Regel mit Fahrzeugen der Baureihe 474 bedient. Jedes Fahrzeug dieser Baureihe besteht aus drei Waggons und verfügt über insgesamt 208 Sitz- und 163 Stehplätze. Zwischen Hauptbahnhof und Harburg werden sogenannte Kurz-, Voll- und Langzüge eingesetzt, die aus drei, sechs oder neun Waggons bestehen und somit über 208, 416 oder 624 Sitzplätze verfügen.

Im Übrigen siehe Drs. 20/14060.

  1. Wie ist die Fahrgastprognose für die S3 und S31 bis zum Jahr 2030 und darüber hinaus?

Der HVV geht bei seinen mittelfristigen Prognosen bis 2024 von einer allgemeinen Steigerungsrate von 1,5 Prozent aus. Darüber hinaus gibt es keine gesicherten Berechnungen.

  1. Wie entwickelt sich der Fuhrpark für die Strecke Hamburg – Harburg in den nächsten zehn Jahren?

Ab Dezember 2018 wird die Zahl der Langzugfahrten auf der S3 erhöht werden. Hierfür wird die S-Bahn Hamburg drei neue Fahrzeuge im Rahmen der Fahrzeugneubestellung beschaffen, sodass die derzeit noch zeitweise verkehrenden Vollzüge mit sechs Waggons als Langzüge mit neun Waggons fahren werden. Dadurch wird eine Kapazitätssteigerung von etwa 10 Prozent erreicht werden. Die Erweiterung ist im Rahmen des neuen Verkehrsvertrages vorgesehen und kostenmäßig im Gesamtbestellerentgelt enthalten. Im Übrigen siehe Drs. 20/7548.

  1. Welche Bauarbeiten werden auf der Strecke Hamburg – Harburg in den nächsten fünf Jahren durchgeführt?

Nach derzeitigem Planungsstand sind folgende Maßnahmen geplant:

2015

  • Erneuerung der Gleise und Weichen im Bereich der Station Hammerbrook
  • Weichenerneuerung im Bahnhof Wilhelmsburg

2016

  • Nacharbeiten an der Station Hammerbrook
  • Schienenfräsen im Harburger S-Bahn-Tunnel
  • Erneuerung der Gleise im Abschnitt Wilhelmsburg – Hammerbrook
  • Lärmschutzmaßnahmen im Zuge der Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße, einschließlich der Aufstellung von Signalen an der geplanten Station HamburgElbbrücken

2017

  • Lärmschutzmaßnahmen im Zuge der Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße
  • Weichenerneuerung im Bahnhof Neugraben
  • Gleiserneuerung im Abschnitt Wilhelmsburg – Hamburg-Harburg

2018

  • Bau der Station Hamburg-Elbbrücken

 

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2019

  • Sperrpausen für Errichtung des Bahnsteigdachs an der Station Hamburg-Elb-brücken

Ohne Terminierung

  • Korrosionsschutz an der Süderelbbrücke, weitere Lärmschutzmaßnahmen im Zuge der Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße
    • Bekennt sich der Senat weiterhin zur S32?

      Wenn ja, wie lautet die aktuelle Planung (Umsetzungszeitpunkt, Linienführung, Taktung et cetera)?

      Wenn nein, aus welchen Gründen hält der Senat eine zusätzliche Linie nach Harburg (S32) für nicht erforderlich?

Ja. Die Einrichtung einer Linie S32 ist jedoch frühestens im Dezember 2019, zum Fahrplanwechsel, möglich. Die Linienführung umfasst maximal die Strecke Elbgaustraße –Dammtor – Harburg Rathaus. Angebotsseitig ist zunächst ein zehnMinuten-Takt in den Hauptverkehrszeiten montags bis freitags vorgesehen.

  • Hat die Verkürzung der Linie S32, nur bis zum Hauptbahnhof statt bis nach Harburg, etwas mit dem Wirtschaftlichkeitsfaktor für die Finanzierung der Linie S21 nach Kaltenkirchen zu tun?

Nein.

  • Plant der Senat anderweitig eine Verstärkerlinie in den Süden?

Nein.

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