Busbeschleunigung (93)

BÜRGERSCHAFT

DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG     Drucksache 21/7229

21. Wahlperiode     20.12.16

Schriftliche Kleine Anfrage

des Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg (FDP) vom 12.12.16

und Antwort des Senats

    Betr.:     Busbeschleunigung (93)

Ich frage den Senat:

Auf allen derzeit bearbeiteten Linien wurden auf ganzer Länge sogenannte Planfahrten durchgeführt, um zu ermitteln, weshalb Busse auf den einzelnen MetroBus-Linien in ihrem zügigen Fortkommen gehindert werden. Die Auswertung dieser Fahrten führte zu Vorschlägen für entsprechende Handlungsoptionen zur Verbesserung der Situation für den Busverkehr. Da der Busverkehr in den Hauptverkehrszeiten am meisten behindert wird und zudem die meisten Fahrgäste befördert, werden die Planfahrten in den Zeiten von 6 bis 10 Uhr und von 15 bis 19 Uhr durchgeführt. Dies geschieht wochentags, da an den Wochenenden geringere Behinderungen auftreten.

Nach Umsetzung aller baulichen Maßnahmen und schalttechnischen Veränderungen an allen Lichtsignalanlagen (LSA) auf den kompletten Strecken werden die sogenannten Messfahrten durchgeführt, um die erzielten Verbesserungen zu ermitteln. Dies ist bislang für die Linie 5 erfolgt. Die übrigen Linien sind noch nicht auf ganzer Länge baulich oder hinsichtlich der LSA-Schaltungen fertiggestellt. Aus diesem Grund wurden auf der Linie 6 im Bereich des Mühlenkamps noch keine Messfahrten im oben genannten Sinn durchgeführt.

Da aufgrund der zeitlichen Vorgaben der Drs. 21/73 mit der Evaluation der Maßnahmen im Bereich des Mühlenkamps nicht bis zur Fertigstellung der gesamten Linie 6 gewartet werden konnte, hat sich der Senat in diesem Falle hilfsweise der Messdaten der Hamburger Hochbahn AG (HOCHBAHN) bedient. Auch dabei wurden, entsprechend der Systematik bei den Planfahrten, die Zeiten geringer Behinderungen außer Acht gelassen. Die Daten der zwei Kalenderwochen (KW) unmittelbar vor den Baumaßnahmen (13. und 14. KW 2015) wurden den Daten der zwei Kalenderwochen direkt nach den letzten Anpassungen an den LSA (38. und 39. KW 2016) gegenübergestellt. Alle Daten, die zwischen den beiden genannten Zeitpunkten hätten erhoben werden können, haben für die Evaluation keine Relevanz, da die endgültige LSASchaltung erst ab der 38. KW ihre Wirkung zeigen konnte.

Dies vorausgeschickt, beantwortet der Senat die Fragen auf der Grundlage von Auskünften der HOCHBAHN wie folgt:

  1. Wann und aus welchen Gründen wurden seit dem Abschluss der Bauarbeiten jeweils die drei Lichtsignalanlagen im Abschnitt Mühlenkamp angepasst? Bitte für jede Lichtsignalanlage die jeweiligen Anpassungsmaßnahmen einzeln auflisten und verständlich beschreiben.
  2. Warum konnte die letzte Anpassung am 14. September 2016 nicht vorher durchgeführt werden und welche Anpassungen wurden im Detail vorgenommen?

    Drucksache 21/7229      Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg – 21. Wahlperiode

Noch im Zusammenhang mit dem Abschluss der Bauarbeiten, als der aufgeweitete Radfahreraufstellbereich (ARAS) Ende Oktober des Jahres 2015 hergestellt wurde, war die LSA-Schaltung Mühlenkamp/Poelchaukamp erstmals anzupassen.

Die zweite Anpassung erfolgte Mitte September 2016. Nachdem im Frühsommer des Jahres 2016 die konkreten Erkenntnisse zu den Busabläufen vorlagen, wurden aufgrund der komplexen Schalt- und Logikänderungen die Schaltgeräte umprogrammiert. In diesem Zusammenhang wurden die Meldeketten der Busse vom Goldbekplatz kommend verkürzt sowie die Verkehrsabhängige Steuerung/Busvorrangschaltung mit weiteren Abbruchkriterien, Zeitlückenerfassungen und möglichen Phasentauschen an die Verkehrssituationen angepasst, um den Bussen eine möglichst ungehinderte Durchfahrt an der LSA Mühlenkamp/Poelchaukamp zu ermöglichen. Anpassungen an den anderen LSA waren nicht erforderlich.

  1. Wurden seit dem 14. September 2016 weitere Anpassungen an den betreffenden Lichtsignalanlagen vorgenommen?

Wenn ja, wann und welche jeweils?

Nein.

  1. Gemäß dem vom Senat vorgelegten Evaluationsbericht sind die Verlustzeiten aller Fahrten im Busverkehr über einen Zeitraum von mehreren Wochen zu erheben (Seite 11). Warum wurden vor diesem Hintergrund a. die Verlustzeiten nur für zwei Wochen und

b. nicht die Verlustzeiten aller Fahrten erhoben? Wie lauten die Verlustzeiten für alle Fahrten der MetroBus-Linie 6 in 2015 in den Kalenderwochen 13 und 14 sowie in 2016 in den Kalenderwochen 38 und 39?

  1. Auf Basis welcher Formulierung in der Vereinbarung Drs. 21/73 wurde die Betrachtung der Verlustzeiten auf die Zeit von 7 Uhr bis 20 Uhr und auf die Wochentage Montag bis Freitag deutlich beschränkt? Wer hat wann in Abstimmung mit wem entschieden, dass entgegen der klaren Formulierung in der Vereinbarung Drs. 21/73 nicht die durchschnittlichen Verlustzeiten aller Busfahrten als Basis für den Bericht herangezogen wurden?

Siehe Vorbemerkung.

  1. Gemäß den Aussagen der Senatsvertreter in der Sitzung des Verkehrsausschusses am 2.12.2016 gab es in den KW 38 und 39 2016 keine relevanten Fahrzeit-Beeinträchtigungen auf der MetroBus-Linie 6.
    1. Trifft die Aussage des Vertreters der Volksinitiative Stopp des Busbeschleunigungsprogramms zu, dass in den KW 38 und 39 Umbauarbeiten zur Busbeschleunigung auf der Uhlenhorst stattgefunden haben?

      Wenn ja, warum haben die Umbauarbeiten auf der Uhlenhorst aus Sicht des Senats keine relevanten Auswirkungen auf die Fahrzeiten der Busse der M6 in den KW 38 und 39?

Ja. Für die Dauer der Baumaßnahmen wurden die Fahrzeiten der Linie 6 im Bereich Uhlenhorst aufgrund einer Umleitungsmaßnahme stadtauswärts temporär angepasst. Auf die reinen Fahrzeiten in den übrigen Abschnitten der Linie 6 hatte diese Anpassung jedoch keine Auswirkungen.

  1. Wie viele Busse der Linie M6 hatten in den KW 36 bis 39 Verspätungen von mehr als fünf beziehungsweise zehn Minuten und wie groß war der entsprechend Anteil jeweils (bitte für beide Fahrrichtungen die Daten getrennt in absoluten und prozentualen Werten pro KW angeben).

 

 

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Linie

Richtung

KW

2016

%Ab>5

%Ab>10

Datengrundlage

(Abfahrten absolut)

6

U Borgweg

36

4,9%

0,8%

27.279

37

4,1%

1,1%

27.771

38

4,0%

0,5%

26.944

39

5,0%

1,1%

27.018

Speicherstadt/ U Feldstraße

36

3,5%

0,5%

23.284

37

3,6%

0,9%

23.553

38

4,7%

0,8%

23.838

39

3,4%

0,5%

24.073

  1. Wie stellen sich die mit der Übersicht auf Seite 15 des Berichts vergleichbaren Werte für die KW 36 und 37 in 2016 absolut und im Vergleich zur KW 13 und 14 in 2015 dar?

Siehe Vorbemerkung.

  1. Ist es zutreffend, dass auch für die Busse der MetroBus-Linie 25 Mess- beziehungsweise Planfahrten vor Beginn der Baumaßnahmen am Mühlenkamp durchgeführt wurden?

    Wenn ja, für welchen Streckenabschnitt der Linie M25 wurden die Daten wann erhoben und wann wurden die vergleichbaren Daten für die Linie M6 erhoben? Wenn nur für einen Teil der Strecke der Linie M25 die

    Daten erhoben wurden, warum erfolgt die Erhebung nur für diesen Streckenteil? Wer hat wann in Abstimmung mit wem entschieden, dass die Werte für die Busse der Linie M25 nicht im Bericht berücksichtigt wurden? War dem Gutachter bekannt, dass in dem betreffenden Streckenabschnitt auch Busse der Linie M25 fahren und in welcher Form war er an der Entscheidung, diese im Bericht nicht zu berücksichtigen, beteiligt?

Ja, die Planfahrten für die Linie 25 wurden in der 19., 21. und 23. KW 2012, die für die Linie 6 in der 19. KW 2012 und 35. KW 2013 durchgeführt. Sämtliche bisherigen

Maßnahmen am Mühlenkamp wurden im Zuge der Beschleunigung der MetroBusLinie 6 durchgeführt. Insofern war es aus Sicht der zuständigen Behörde folgerichtig, die Evaluation nur für die Linie 6 durchzuführen. Dem Gutachter war dies bekannt. Im Übrigen siehe Vorbemerkung.

  1. Wie stellen sich die mit der Übersicht auf Seite 15 des Berichts vergleichbaren Werte für die KW 38 und 39 in 2016 absolut und im Vergleich zu den KW 13 und 14 in 2015 für die Linie M25 dar?

Der Fokus im Rahmen der Evaluation wurde auf die Linie 6 gelegt. Gleichwohl zeigt sich anhand der Daten, dass die Linie 25 bereits heute von den bereits realisierten Beschleunigungsmaßnahmen am Mühlenkamp profitiert. In Richtung Altona sind die Fahrzeiteinsparungen vergleichbar mit denen der Linie 6. In der Gegenrichtung steht unter anderem noch die Optimierung der Abbiegebeziehung aus der Haltestelle Mühlenkamp/Hofweg in den Winterhuder Weg aus. Des Weiteren ist anzumerken, dass die Linie 25 schon vor der Busbeschleunigung kürzere Fahrzeiten in diesem Abschnitt aufwies als die Linie 6. Dies ist insbesondere auf die im Vergleich zur Linie 6 niedrigeren Fahrgastzahlen zurückzuführen. Hierdurch ist zum Beispiel das Potenzial für die Reduzierung der Haltestellenaufenthaltszeiten geringer. Siehe Anlage.

  1. Wie stellen sich die mit der Übersicht auf Seite 15 des Berichts vergleichbaren Werte für die KW 36 und 37 in 2016 absolut und im Vergleich zu den KW 13 und 14 in 2015 für die Linie M25 dar?
  2. Wie lauten die vergleichbaren Werte, wenn man für die betreffenden Kalenderwochen alle Fahrten als Basis nimmt?

Siehe Vorbemerkung.

  1. Wie viele Busse der Linie M25 hatten in den KW 36, 37, 38 und 39 Verspätungen von mehr als fünf beziehungsweise zehn Minuten und wie groß war der entsprechend Anteil jeweils (bitte für beide Fahrrichtungen

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die Daten getrennt in absoluten und prozentualen Werten pro KW angeben).

Linie

Richtung

KW

2016

%Ab>5

%Ab>10

Datengrundlage

(Abfahrten absolut)

25

Hammerbrook

36

9,4%

1,7%

30.207

37

6,6%

1,8%

30.130

38

6,0%

0,6%

30.421

39

6,9%

1,4%

30.102

Bf. Altona

36

8,4%

1,1%

27.508

37

4,3%

0,7%

27.669

38

4,1%

0,4%

27.419

39

6,5%

1,1%

27.276

Die höheren Verspätungswerte im Vergleich mit der Linie 6 sind auf die erst zu kleinen Teilen umgesetzten Beschleunigungsmaßnahmen auf der gesamten Linie 25 und auf den langen Linienweg zurückzuführen.

  1. Hat der Gutachter von der HHA die Rohdaten pro Fahrt für die Tabelle auf der Seite 15 des Berichts bekommen oder nur die Tabelle?

Der Gutachter hat die Rohdaten erhalten.

  1. Ist es richtig, dass die im Bericht auf den Seiten 15 und 25 angegeben Durchschnittswerte für die angeblichen Zeitgewinne nicht dem Durchschnitt aller Fahrten entsprechen, sondern dem Durchschnitt des Durchschnitts?

Wenn ja, wie lauten die tatsächlichen Durchschnittswerte für die Busse der Linien M6 und M25?

Ja, die tatsächlichen Zeitgewinne wurden entsprechend berechnet. Andere Durchschnittswerte wurden bislang nicht ermittelt.

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Anlage

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